Ein Bericht von Andreas Otte über ein etwas „anderes“ Sommerlager

Die Vorbereitung:
Lange habe ich Jürgen bearbeiten müssen, damit er mit uns sein „JA“ gibt für ein 10-tägiges Zeltlager am Woblitzsee in Mecklenburg. Endlich stimmten die Vorraussetzungen an sein „Traumobjekt“. Das Gelände des VMSS (Verein-Mecklenburg-Strelitzer-Segler e.V.) liegt am Fuße der Havelberge, direkt am Woblitzsee. Neben einer großen Wiese zum Zelten, Stellplätze für Trailer und Fahrzeuge, Liegeplätze für unsere Boote, einem großen Clubraum mit Küche, konnte ich ihm nun auch ein nagelneues Sanitärgebäude präsentieren. Was aber das Wichtigste für diese Freizeit war, dass sich Bodo Lenkewitz als Koch und Marketender angeboten hat. Somit waren für uns endlich Unterkunft und Versorgung gesichert.

P.S.: Nach einem 2 fachen Testlauf (ich sag nur ARENDSEE), konnte er einen ungefähren Vorgeschmack von dem bekommen, was ihn so erwarten könnte.

Das Verladen der Ausrüstung:
Schon unser obligatorischer „Boote-Verlade-Mittwoch“ am Vorabend des Abreisetages offenbarte mir, dass wir unter Umständen an die Grenzen unserer Transportkapazitäten stoßen könnten. Nachdem alle Boote auf ihren Trailern verzurrt und die bereits eingelagerte Campingausrüstung der SEETEUFEL in sämtlichen Ecken und Hohlräumen der Boote verstaut war, war kaum noch Platz für das Gepäck, welches am nächsten Morgen noch angeliefert werden sollte. Aber wie ich immer sage, „Jugend mutig voran“ und bloß nicht verzagen.

Die Anreise:
Bei stahlblauem Himmel und einer kühlen Brise traf die ganze Meute am Morgen des ersten Ferientages mehr oder weniger ausgeschlafen am Clubhaus ein. Mein „ungutes“ Gefühl vom Vortag kam wieder auf, angesichts der Menge an Gepäck und persönlicher Ausrüstung, die die Kinder auf der Jollenwiese stapelten. Ich wusste bis dahin noch nicht, dass Kinder so viel Zeug mitschleppen können. Als die letzte Tasche in den Autos verstaut und vermeintlich alle sich einen Sitzplatze ergattert hatten, kam der nächste Schreck. Auf der Wiese standen noch vier Kinder ohne eine Mitfahrgelegenheit. Ich hatte in dem ganzem Touwabou der Vorbereitung vergessen, einen Fahrer samt PKW von meiner Liste zu streichen, ihn aber voll mit eingeplant. Hilfe kam in diesem Moment ganz spontan von unserer Anke Warzok, die uns für die gesamte Freizeit ihr Auto zur Verfügung stellte. – Anke ich danke dir von ganzem Herzen, du warst meine Rettung. Endlich konnte sich der ganze Tross (bestehend aus 3 Kleinbussen, 4 Pkw, 4 Trailern und einem Anhänger) in Bewegung setzen und sich auf die fast 500 Kilometer lange Reise machen. Nach sechs stündiger Fahrt über diverse Autobahnen, durch die schöne Rheinsberger Seenlandschaft und abenteuerliche Waldwege der Havelberge, kamen wir etwas ermüdet aber glücklich am Woblitzsee in Mecklenburg-Vorpommern an. Sehnsüchtigst erwartete uns bereits Marco, unser „guter Geist“ vor Ort. Schnell machten wir uns mit den Örtlichkeiten vertraut und starteten mit einer Aktion, die sich in den nächsten 10 Tagen dreimal täglich wiederholen sollte – „Die Raubtierfütterung“.

Die Versorgung:
An dieser Stelle muss ich unbedingt erwähnen, dass diese Freizeit nur möglich war, weil Bodo Lenkewitz die Vollversorgung übernommen hat. Er organisierte täglich, fast generalstabsmäßig, mit Unterstützung von drei „freiwilligen“ SEETEUFELN, unsere „kulinarische Rundumversorgung“. Wir hatten für dieses Zeltlager nicht wie in den vergangenen Jahren üblich, eine Vollpension gebucht, sondern mussten uns komplett selbst versorgen, vom Einkauf über das Kochen bis hin zum Tischdecken, Abwaschen, Müllentsorgen, Saubermachen. Nun weiter zur „Raubtierfütterung“. Hungrige Kinder sind kaum zu ertragen, aber hungrige Betreuer, ein Ding der Unmöglichkeit. Also hieß es erst einmal Essen kochen. Es gab was „Schnelles“ - Suppe mit Würstchen und Brötchen, deren Mengen wir ab diesem Tag in Litern und Kilos messen mussten – mehr dazu später.
Allein die Dimension der Töpfe war beeindruckend, um die Masse an Suppe zu erwärmen. Bodo´s logistisches Geschick war schon beeindruckend, denn immerhin musste der Hunger und Durst von 35 Leuten gleichzeitig gestillt werden (in den nächsten Tagen waren es dann „nur noch“ 29 Personen). Nach 20 min waren fast 15 Liter Suppe und 50 Bockwürstchen vernichtet. Der tägliche Einkauf für unsere Truppe gestaltete sich Anfangs recht schwierig. Bei einem Discounter in Wesenberg bekamen wir nach dem ersten Einkauf fast Hausverbot, da die Mengen die wir benötigten, seine „haushaltsüblichen Mengen“ überstiegen. Uns war es einfach zu mühselig, in Kleinstmengen zu kaufen und so entschlossen wir uns, im Großmarkt „unsere Mengen“ zu ordern. Hier machte der Einkauf dann richtig Spaß. Riesen Einkaufswagen und ein gigantisches Warenangebot zu bezahlbaren Preisen. Von nun an war die Versorgung gesichert. Bodo bekochte uns erstklassig. Schon zum Frühstück gab es Rührei mit Schinken, Fruchtquark, frisches Obst, frische Brötchen usw. Zum Mittagessen gab es etwas Schnelles auf die Hand – aber immer frisch und lecker – und zum Abendessen wurde deftig gekocht. Es musste also niemand Hunger leiden. Höhepunkt unserer abendlichen „Fütterung der Raubtiere“ war natürlich das von Marco veranstaltete „Schinkengrillen“, bei dem er zwei je 11 kg schwere Schweineschinken über Stunden auf einem offenen Buchenholzfeuer drehte – sehr, sehr lecker und auch etwas fürs Auge.
Selbst Bodo war täglich von neuem erstaunt, was für Mengen die „Kleinen“ so verputzten.

Ein paar Zahlen am Rande – wir vernichtetet in den 10 Tagen - fast:
1000 Brötchen, 450 Eier, 800 Liter Getränke, 50 kg Erdbeeren, 25 kg Süßigkeiten, 11 kg Nutella, 90 kg Wurst + Fleisch, 70 Liter Milch, 70 kg Käse/Quark, - Wahnsinn!!

Das Camp:
Unser Zeltplatz lag auf dem Gelände unseres Gastgebers, des VMSS. Nicht nur, dass wir dort sehr freundlich aufgenommen wurden, wir durften auch alle Einrichtungen mit nutzen – den großen Clubraum belagerten wir in der gesamten Zeit. Die Lagerfeuerstelle fand besonderen Anklang und es kam bei fast allen der Wunsch auf – „ so eine brauchen wir bei uns im Club auch“. Nachdem alle 13 Zelte aufgebaut waren, dies ging erstaunlich schnell, wurden diese häuslich eingerichtet. Vom einfachen Mattenlager bis hin zur komfortablen Campingliege war alles vertreten. Am ersten Tag herrschte in ihnen noch ein gewisses System und auch Ordnung – na ja – eben nur am ersten Tag. Jürgens täglicher „Kontrollgang“ um die Zelte offenbarte mir, dass wir am Ordnungssinn unserer Kinder noch etwas arbeiten mussten. Aus diesem Grund sammelten Jürgen und ich am ersten Abend alle Gegenstände ein (Schuhe, T-Shirts, Kappen, Hosen, Handtücher etc.), die um die Zelte und auf der Wiese herumlagen. Nach alter SEETEUFEL-Tradition kam unser Sammelsurium - ein prallgefüllter blauer Plastiksack - gleich am nächsten Morgen zur Versteigerung. Sehr begehrt waren die T-Shirts der Jungs, wo schon mal die Summe von 5,00 Euro geboten wurde. Der Erlös kam natürlich unserer Jugendkasse zu gute. Ab diesem Tag war es irgendwie immer ein Bisschen aufgeräumter, jedenfalls in unmittelbarer Nähe der Zelte – woran dies wohl gelegen hat??? Nur in die Zelte durfte ich nicht schauen – der „Schmerz“ in meinen Augen beim Anblick des Innenlebens war fast unerträglich. Aber na ja, wenn die „Kleinen“ sich darin wohlfühlen, warum nicht, denn in so manchem Vogelnest sind ja auch „Ecken“, in denen sich ein gewisses Eigenleben entwickelt. ;-)

Das Segeln:
Nicht grundlos haben wir uns für dieses Revier entschieden. Der Woblitzsee liegt eingebettet in die Havelberge, am Rand des Müritz-Nationalparks, in einer landschaftlich sehr schönen Gegend. Bedingt durch die Form des Sees, konnten wir schöne lange Strecken unter Spinnaker segeln, den Düseneffekt an einer Engstelle spüren und in kurzen Schlägen das Kreuzen üben. Selbst zu Zeiten ohne Wind – in der Regel am Vormittag – waren wir auf dem Wasser unterwegs. Neben Schleppübungen, Wasserski fahren, Surfen und Baden vom Boot aus – natürlich immer mit Rettungsweste – konnten wir alle Facetten des Wassersports ausgiebig genießen. Ganz besonders sei erwähnt, dass wir während der gesamten Freizeit den 20er Jollenkreuzer von Marco benutzen durften. Die Kinder rissen sich förmlich darum, mit ihm zu segeln – Marco, nochmals meinen herzlichsten Dank an dich. Am Schönsten war unser „Wasserwandern“. Wir schleppten die Boote bei wenig Wind bis zum südlichen Ende des Sees, nach Wesenberg, machten im Stadthafen fest und erkundeten die Stadt zu Fuß. Zum Mittag gab es direkt am Hafen im Schatten alter Lindenbäume ein „Super-Fischbrötchen“. Die Ausfahrt unserer „Armada“ aus dem Hafen von Wesenberg war für die anwesenden Touristen wahrscheinlich ein seltenes Spektakel, denn wir hatten plötzlich jede Menge Zuschauer. Die Ablegemanöver waren zum Teil sehr phantasievoll, aber gekonnt. Unter einem erstklassigen Vorwindkurs fuhren wir die schmale Hafenausfahrt hinaus direkt auf den See und dann fast 4 km unter Spinnaker bis nach hause – für alle ein sehr schönes Erlebnis. Da auch Betreuer mal ein paar Minuten freie Zeit am Tag für sich brauchen, genoss ich bei einem lauen Lüftchen das allabendliche Segeln in den Sonnenuntergang, in meinem geliebten Opti „Seeteufel“ – schön war es.

Jungs, Technik und Fußball:
In der Zeit, in der wir mal nicht auf dem See herumtobten, sorgte Mathias „Matze“ Bierwirth und seine „Bande“ für Unterhaltung. Durch seine mitgebrachte Technik war es möglich, dass wir alle am Abend via Beamer und Großbildleinwand Filme schauen konnten.
Wir waren ja zur Zeit der Fußball-WM hier oben und Matze plagte die erste Zeit nur die „eine“ Frage – „Wo bekomme ich hier draußen ein Satellitensignal her“. Sein Blick wanderte immer wieder zu den auf den Bootsschuppen fest installierten Satellitenschüsseln, aber an die kam er nicht heran. Hilfe kam dann durch Rainer Guericke, meinem Schwiegervater und Technikspezialisten. Er übergab den Jungs leihweise eine tragbare Sat-Anlage. Nach der Installation und trotz ausgiebigen Studiums der Betriebsanleitung, wollte sich kein Bild auf der Leinwand zeigen. Auch meine „Hilfe“ brachte nicht den gewünschten Erfolg. Ich hatte zwar die Schüssel per Augenmaß und Zurufen himmelwärts so „gut“ ausgerichtet, dass wir endlich Ton und Bild in einer super Qualität bekamen, die Sache hatte nur einen Haken, keiner von uns sprach oder verstand a-r-a-b-i-s-c-h. Rainer hatte Mitleid mit uns und verlegte das Sat-Kabel aus seinem Bootsschuppen in den Clubraum, so dass wir unser eigenes „Public Viewing“ hatten, sehr zum Wohlwollen der Segler unseres Gastgeberclubs. Es zeigte sich mal wieder, dass Sport verbindet.

Was sonst noch geschah:
An einem windstillen Tag unternahmen wir eine Kanutour zum Useriner See im Müritz-Nationalpark. Der Weg führte uns über Kanäle und den Großen Labussee. Um den Höhenunterschied zwischen den Seen zu überwinden, mussten wir die Boote mittels eines Bootswagens auf Schienen übersetzen, was für die Kinder natürlich etwas völlig Unbekanntes, aber eine schöne Abwechslung war. Die SEETEUFEL mussten einstimmig zugeben, dass es leichter ist, sich per Segel vom Wind treiben zu lassen, als selbst mit einem Paddel ein Boot zu bewegen. Obligatorisch auf jeder Freizeit sind ein Neptunfest und eine Nachtwanderung. Beide Aktionen hatten wir nach langen Überlegungen auf den vorletzten Tag gelegt, an dem noch alle SEETEUFEL anwesend waren. Den Neptun spiele ich nur zu gern selbst, denn in dieser Rolle kann man all seine „Lieblinge“ und neuen SEETEUFEL mal einer gründlichen Reinigung unterziehen – man nennt das auch „Taufe“. Von einigen Gelehrten werden solche Feste zwar als fragwürdig eingestuft, aber die meisten Kinder (und auch ich – hihi) haben ihren Spaß dabei und nur darauf kommt es an.
Durch mein jahrelanges Training waren Matze und seine „Bande“ endlich soweit, die Nachtwanderung selbst zu planen und durchzuführen und sie war ein voller Erfolg. – Matze – es war schön gruselig, hast du sehr gut gemacht. (P.S.: Eine Nachtwanderung ist ein Spaziergang in der Dunkelheit mit Gruseleffekten und nichts für schwache Nerven. Im Sommer findet eine Nachtwanderung in der Regel nach 23:00 Uhr statt, da es erst so spät dunkel wird.)

Der Abschied und die Rückreise:
Einige Eltern mussten ihre Kinder schon ein bis zwei Tage vor dem offiziellen Abreisetag abholen, da für sie noch ein Anschlussurlaub folgte. Auch für uns kam somit eine gewisse Aufbruchsstimmung auf. Am letzten Tag vor der Abreise hatten wir noch einmal richtig schönen Wind, mussten aber leider aus Zeitgründen unsere Boote schon verladen. Etwas wehmütig war uns nach der Zeit hier schon und so richtig Lust nach hause zu fahren, hatten die Wenigsten von uns. Der Zeltabbau am darauf folgenden Morgen verlief reibungslos. Die Temperaturen an dem Tag waren aber brutal. Nachdem alles verstaut, die Zeltwiese sauber und alle von uns genutzten Räume geputzt waren, mussten wir einfach noch mal in die Fluten springen. Mit nur einer Reifenpanne kamen wir am frühen Abend wieder in Northeim an, wo Ulrike Zinsinger und Jochen von Hallensleben schon mit Würstchen vom Grill auf uns warteten. So fand dieses Sommerlager einen gebührenden Abschluss.

Fazit:
Summa summarum muss ich sagen, es war eines der schönsten Sommerlager, das ich mit den SEETEUFELN durchgeführt habe. Völlig problemlose Kinder, super Wetter, viel gesegelt, nette Gastgeber und eine „Bombenverpflegung“.

Dank:
Tja, bei wem soll ich anfangen??
Ich versuch es mal so, wir, die SEETEUFEL danken:

  • Bodo Lenkewitz – für deine phantastische Beköstigung vor Ort und den unermüdlichen Einsatz für unser leibliches Wohlergehen- Marco Guericke – für deine Hilfe von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und das wir täglich mit deinen schönen Jollenkreuzer segeln konnten
  • Renate und Rainer Guericke, für eure nette Betreuung vor Ort und dass ihr euren Vorstand überzeugen konntet, dass wir zu euch kommen durften
  • den Mitgliedern des VMSS, das wir auf eurem Gelände diese schöne Zeit verbringen durften
  • Anke Warzok – dass du uns dein Auto zu Verfügung gestellt und mich damit aus einer Misere gerettet hast
  • Pino Trombetta und allen Fahrern – für den Transport unserer Kinder und Ausrüstung auf zum Teil abenteuerlichen Wegen
  • allen Helfern und Helfershelfern – die dazu beigetragen haben, dass wir ein so schönes Sommerlager durchführen konnten

Bilder vom Sommerlager am Woblitzsee